Unsere geschichtliche Heimat

Seinen großen Landbesitz teilte das Kloster Lorsch in einzelne Gemarkungen auf, die an Vasallen aus adeligem Haus zu Lehen gegeben wurden. Im elften Jahrhundert vergab der Fürstabt von Lorsch zwölf solcher Fahnenlehen, deren Vögte sich befestigte Wohnsitze auf sicher gelegenen Bergrücken erbauten. Als Burgvögte eingesetzt, hatten diese die Klostergüter zu verwalten, für die Abgaben zu sorgen, und sie mussten für die fürstliche Abtei auch die Dienstmannen zum Reichsdienst stellen. Einzig die Starkenburg und das Castrum Winenheim dienten dem Eigenschutz des Reichsklosters Lorsch und waren mit Dienstmannen und Söldnern besetzt, die oftmals wechselten, damit seitens der Bediensteten ja keine Wünsche aufkamen, sich  am Klosterbesitz schadlos  zu halten. Man munkelt, dass vor etlichen Jahrzehnten so die Slirburc dem Kloster entfremdet wurde und seit dieser Zeit werden die Vogteirechte stets vom Abt des Klosters neu und für einen bestimmten Zeitraum vergeben.

Wir schreiben das Jahr 1180, zum Burgvogt für die hiesigen Klosterbesitzungen wurde in diesem Jahre unser

Graf Markus von Winenheim feierlich ernannt.

von Abt

sigehard_k

Als Amtssitz wurde uns das Castrum Winenheim zugewiesen. Seither haben wir auf dem festen Hause Wohnung genommen und gehen als Dienstmannen des Reichsklosters unseren vielfältigen, auferlegten Tätigkeiten und Verpflichtungen nach. 

Bei uns ist jeder willkommen, die Probezeit beträgt ein Jahr, danach entscheidet die Gemeinschaft über  eine Aufnahme.

 

Die Geschichte der Burg Winenheim (Windeck)

a_windeckDas Jahr 1000 nach Christi Geburt. Winenheim bekommt das Marktrecht von König Otto erteilt.
Im Jahre 1065 wird dem Marktrecht noch das Münzrecht hinzugefügt.
Im Jahr 1072 wird ein Burgmann zu Winenheim zum erstenmal Urkundlich erwähnt.

Um das Jahr 1107 wurde auf Geheiß des Lorscher Kloster Abtes Benno das Castrum Winenheim als Stützpunkt errichtet.

Doch auf Grund eines Grundstückstreites zwischen dem Lorscher Abt und des Propstes von Michelstadt wurde im Jahr 1114 durch einen Befehl des Kaisers Heinrich V. das Castrum geschliffen. Man hatte die Burg auf Gebiet der Propstei Michelstadt erbaut. Doch Abt Benno gab nicht auf. Er reiste nach Italien zum Kaiser und wurde wieder in sein Amt und Würden gehoben. Der Pfalzgraf Gottfried griff nun Abt Benno unter die Arme. Aber nur weil Abt Benno dem Pfalzgrafen versprach alle in seiner Amtszeit frei werdenden Hauptlehen zu belehen. Dadurch sollte Gottfried in den folgenden Jahren zum obersten Klostervogt aufsteigen. Nachdem Abt Benno gestorben war, sein Grabstein findet man im Erbacher Schloß, wurde das „Castrum Winenheim“ von Abt Diemo wieder aufgebaut. Für die Bergkuppe, die ja der Propstei Michelstadt gehörte, tauschte Abt Diemo das Dörfchen Mumbach ein. Jetzt stand einer Bebauung nichts mehr im Wege. Der jeweilige Burgmann wurde mit einem Teil des Klostergeländes, dem Dörfchen Mulnen (Mühlen, Müllen, Mühlheim, Müll, Müllheimertal) und anderen Gerechtsamen belehnt. Ein eigenartiger Brauch wird uns aus dieser Zeit überliefert. Immer wenn der jeweilige Lorscher Abt gestorben war wurde die Burg Winenheim von kaiserlichen Truppen besetzt und erst nach Zahlung einer Ablösesumme wieder übergeben.

Im Jahr 1141 zahlte Abt Baldemar 70 Pfund Silber an den Kaiser. Diese kaiserlichen Truppen waren sehr unwillkommene Gesellen. Abt Heinrich (1153 – 1167) gar tauschte den Klosterhof zu Ilvesheim ein, um an die Burg zukommen. Aufgrund dieser Tatsache gehen die Geschichtsgelehrten davon aus, das der jeweilige deutsche Kaiser das Voll- und Fahnenlehen zu Winenheim war. Auch diente ja das Castrum als Herrenhof in dieser Zeit und brachte seinem Besitzer gute Einnahmen. 70 Pfund Silber war in dieser Zeit ein großes Vermögen. Abt Heinrich baute schöne, große Gebäude in das Castrum. Der Marstall und der 28m hohe Turm sind die ältesten erhaltenen Teile der Burg und stammen sehr wahrscheinlich noch aus der Zeit von Abt Heinrich. Hier enden die Aufzeichnungen des Kloster Lorsch über das Castrum Winenheim. Der Sage nach sollen drei Gänge von der Burg nach Winenheim führen. Einer soll am Domhof (auf dem heutigen Erbsenberg) enden, einer am Templerhaus in der Münzgasse und der dritte im Weinhändlerhaus in der Obergasse. Einer dieser Burgmannen soll Hildebert gewesen sein. Der Grabstein Hildeberts ist heute im Hof des Museum ausgestellt. Am Ende des 12. , Anfang des 13. Jahrhunderts wird uns von der Adelsfamilie der Swende berichtet. Sie saßen als Lorscher Burgmannen auf der Burg Winenheim. Im 12. Jahrhundert wird Berthold Swende als Burgmann genannt. Er stiftete Winenheim die Nikolaikapelle und wird in mehreren Urkunden genannt. Es beginnt die Ära der Familie Swende die mehrere Burgmannen auf Burg Winenheim stellte, sich sogar den Familienzusatz „Swende von Winenheim“ gab.

1211 – Der Weinheimer Edelmann Wiprecht von Swende wird Burgmann zu 40 Pfund Heller als Gehalt.tn_dienstmannen13

1212 – Trat Gernod von Swende seine Burgmannenamt an. Unter den selben Bedingungen. Die Swende hatten ihr Amt bis 1303 inne. Vielleicht gab es die Swende noch länger auf der Burg. Allerdings gibt es davon keine Aufzeichnungen. Die Swende sind als Adelsgeschlecht ausgestorben. Doch der Stadt Weinheim haben sie ihr Siegel, in Form einer roten Weinleiter, für alle Ewigkeit gut sichtbar im Stadtwappen hinterlassen. Zur Versorgung der Burg gab es das sogenannte Burggut. Es gehörte Grundbesitz, Naturaliendienste, Geld du Gefälle aus verschiedenen Dörfern dazu. Zum Burglehen Windeck gehörte zum Beispiel: 2 Häuser in der Neustadt-Weinheim, 1 Fuder Wein (1Fuder=100Ohm=1200Viertel= 4800Liter), durchschnittlich 5 Pfund Heller Gehalt oder 40 Pfund Heller Abfindungssumme. Und der Vorort Mulnen (Mühlen, Müllen, Mühlheim, Müll, Müllheimertal) mit seinen Bewohnern. Die durch Eid und Gelübde verpflichtet wurden, als Verstärkung der Burgbesatzung da zu sein. Für die Instandhaltung der Burg Dienst zu leisten, für Brennholz und für Wasser zu sorgen. Natürlich hatten diese Leute auch noch ihren eigenen Hof, wo sie ihre Familien mit ernähren mussten. Und natürlich mussten sie auch noch den Zehnt abgeben. Meist an großen Feiertagen wie Pfingsten zum Beispiel. „Wenn man Sturm läutet, so sollen die zur Mühlen uff die Burg laufen und uff der Burg bleibe!“ Heißt es in einer alten Überlieferung. Und so eilten die braven Mühlerer den schmalen, steilen Burgpfad der von der Betentalstr. Abzweigt, nach oben zur Burg. Wer den Weg schon einmal zu Fuß gelaufen ist, weiß was das für eine Anstrengung ist. Erst recht im Laufschritt.

1232 – Es gab Zank zwischen Kaiser und Papst auf der einen Seite und den reichtumsverwöhnten Lorscher Mönchen auf der anderen Seite. Daraufhin hob Kaiser Friedrich II. die Fürstabtei Lorsch auf. Das Kloster Lorsch wurde eine Propstei und wurde dem Erzbischof zu Mainz übergeben. Burg und Dorf Winenheim wurde kurmainzisch. Pfalzgraf Otto der Erlauchte fühlte sich benachteiligt und wollte Teile des Klosterbesitzes, darunter Burg und Dorf Winenheim. Mit dem, Schwert wollte er seinen Anteil eintreiben. Der Kampf zwischen Erzbischof von Mainz und den Pfalzgrafen um den Lorscher Besitz an der Bergstrasse zog sich über Jahrhunderte und Generationen.

15. April 1264 – Im neu erbauten Pfälzerschloß zu Hemsbach wurde ein Vergleich zwischen Herzog Ludwig II. und dem Erzbischof von Mainz geschlossen. Ludwig II. erhielt die Burg Windeck und die frisch gegründete Neustadt Weinheim. Dies ist die erste Urkundliche Erwähnung der Stadt Weinheim. 1283 – Heinrich von Richenbach wird 1. Pfälzer Burgmann auf Windeck. Entgeld 40 Pfund Heller. Burg Windeck war ein Burgmannenamt. Kein Ritterlehen! Der Burgmann musste die Burg verteidigen und Instandhalten. Er wurde besoldet in Geld und Naturalien. Ein Recht an der Burg selbst, hatte er nicht.

7. Januar 1288 – Herzog Ludwig II. schenkt seiner Schwiegertochter Elizabeth von Lothringen Burg und Stadt als „Morgengabe“. Ausserdem die Dörfer: Laudenbach, Hemsbach, Sulzbach, Müllen, Hege (lag zwischen Lützelsachsen tn_dienstmannen15und Weinheim) und alle Sachsendörfer.

1301 – Die von dem Pfalzgrafen errichteten Türme und Stadtmauer sowie die Windeck selbst bestehen ihre Feuertaufe. Grund: Krieg zwischen König Albrecht und den Pfalzgrafen wegen den Rheinzöllen. Rheinpfalz, Heidelberg, Heppenheim, Bensheim, Weinheim und die Windeck werden gestürmt und mit königlichen Truppen militärisch besetzt.

1308 – Erneut Schlichtung zwischen Pfalz und Kurmainz. In diesem Dokument wird die Burg, Altstadt- und Neustadt- Weinheim erwähnt. 

1313 – Der Erzbischof von Mainz bekommt die Burg Windeck zugesprochen und bleibt sie soll 40 Jahre als Kurmainzer Festung verbleiben.

1344 – Erneuter Schiedsspruch: die Burg Windeck gehört ab sofort dem Pfalzgrafen.

1345 – Der Streit wird durch den Kaiser endgültig geschlichtet. Die Pfalzgrafen bekommen Burg, Altstadt und Neustadt Weinheim. Mainz bekommt im Ausgleich dafür Geld. tn_dienstmannen14

1388 – Johann Horneck von Weinheim wird vom Pfalzgrafen Ruprecht dem Älteren als Burgmann eingesetzt.

1444 – Hans von Erlickheim und Hans Kreis von Lindenfels hatten das Burgmannsamt inne, eingesetzt von einem Pfalzgrafen.

1491 – Pfalzgraf Philipp verpfändet Ritter Engelhard von Neiperg die Burg Windeck. 1499 – Dem Ritter Dieter von Handschuhsheim gehört die Burg Windeck.

1504 – Hauptmann Zeifolf prüft die Windeck und die Weinheimer Stadtmauer mit ihren Türmen auf militärische Belange. Die Schützen für die Handkanonen sollten vermehrt werden. Auf der Windeck war ein „Schlengelein“ (Feldgeschütz), 12 Hakenbüchsen (kleine Kanonen), 1 Tonne Pulver, 100 Kugeln und 1000 Schloßpfeile.

1524 -Weinheim wird in acht sogenannte „Viertel“ eingeteilt, wobei das Müll der Stadt einverleibt wird. Mit allen Rechten, aber vor allem auch mit allen zusätzlichen Pflichten.

1599 – Zu den Gefällen der Windeck gehörten nun auch die Dörfer: Oberflockenbach, Steinklingen, Wüstmichelbach, Rittenweier, Rippenweier, Hülsenhain, Nächstenbach und Asmannsweiler ( heutiges Heiligkreuz).

1621 – Der 30jährige Krieg tobt. Der Spanier Corduba erobert Bensheim, Heppenheim, Weinheim und die Windeck. Burg und Städte werden geplündert.

1622 – Die Bayern kommen und besetzen Stadt und Burg. windeck2

6. Dezember 1631 – Der Schwedenkönig Gustav Adolf nimmt Stadt und Burg ohne einen Schwertstreich ein. Die Burg wird mit schwedischen Truppen besetzt. Der Schweden Oberst Stolhanscha wohnt im Oberhof (heutiger „Goldener Adler“) am Marktplatz. 

1634 – Der Schweden König Gustav Adolf ist tot. Ende September ziehen Horden der Schweden plündernd und sengend durch die Stadt.

Oktober 1634 – Erst stürmen die Bayern die Stadt und Burg, doch sie werden noch im selben Monat von den Franzosen vertrieben

November 1634 – Kroatische Truppen besetzen die Stadt und Burg. Sie bleiben allerdings nur ein paar Wochen.

1643 – Nach mehreren Monaten ohne Besatzung kommen wieder die Bayern vorbei. Doch die Franzosen vertrieben sie wieder im selben Jahr.

1644 – Die Bayern haben die Stadt zurück gewonnen. Sie schossen eine Breche in die Stadtmauer. Direkt beim „Blauen Hut“ (Stadtturm).

Erst am 5. Oktober 1649 zogen die Bayern wieder ab. Auch sie hinterliessen ihre Spuren in unserem Stadtwappen, die blau-weissen Rauten der Wittelsbacher. Die Pfalzgrafen wollen eine neue Militärische Struktur aufbauen. Nun wird eine Bürgerwehr aufgestellt. Eine Kompanie Infanterie (150 Mann) und ein Fähnlein (30 Mann) Kavallerie. Sie werden zwar alle beurlaubt, aber eine Wache auf der Windeck musste garantiert werden.

1662 – Noch immer verlangt der Burgmann Freiherr von Schmidberg die Frondienste der Müllemer. Doch die Müllemer erhoben sich jetzt wie ein Mann gegen die Obrigkeit und aus war es mit der Fronarbeit auf der Burg. Die Stadtpflichten waren den Oberen wichtiger.

16. Juni 1674 – Der Holländer Krieg ist im Gange. Der Franzosen König Ludwig der XIV. gegen Kaiser Leopold. Die Pfalz bleibt bei dieser Auseinandersetzung neutral. Nicht desto trotz besetzen die Franzosen Weinheim unter Marschall Turenne. Dessen Soldaten hausten und verwüsteten schlimmer als der gesamte 30 Jährige Krieg zusammen. Man streitet noch  darüber, ob Marschall Turenne die Windeck zusammenschießen lies oder die Burg einfach so verfiel.

Fakt ist 1685 wird unsere Burg Windeck als Ruine geführt. Man versucht zwar von Seiten der Kurpfälzer Regierung noch mal mit dem Aufbau einiger Hütten im inneren der Burg, die Festung zu beleben.

Aber im Jahr 1696 überlies man die Ruine ihrem Schicksal. Sie diente noch ab und zu den Weinheimerbürgern als Steinbruch.

1806 – Die Burg Windeck kommt an das Großherzogtum Baden. Da haben wir nun unseren Stadtwappen komplettiert. tn_dienstmannen25

1900 – Großherzog Friedrich I. schenkt die Ruine Windeck dem badischen Gesandten in Berlin, dem Grafen Berckheim. Dieser lässt unter der Leitung des großherzöglichen Konservators für Baudenkmäler große Teile der zerfallenen Burg wieder herrichten. Nach dem ersten Weltkrieg wurde bei Reinigungsarbeiten im Burgbrunnen, verschiedene Gegenstände gefunden die heute im Museum der Stadt Weinheim zu sehen sind.

 

2000Die Ruine Windeck ist eines der Wahrzeichen der Stadt Weinheim. Ein Ausflugsziel für Wanderer und Ausflügler. Und der Marstall aus dem 12. Jahrhundert ist heute ein Gastronomischer wie auch Historischer Anlaufpunkt. Der Burgfried mit seinen 28 m Höhe ist immer noch seiner Bestimmung treu, er dient den Besuchern als Aussichtsplattform.

Dieser Beitrag wurde von der alten Homepage übernommen (Autor: Achim)