Bernard de Noyer

Mein Name ist Bernard de Noyer.

Meine Heimat ist die Normandie und dort stand ich bisher in Diensten meiner Familie und begleitete meinen Oheim auf einen Kreuzzug ins heilige Land. Ich verließ also vor Jahren – wie so viele Familienväter – mein Weib und meine Kinder und kehrte ihnen den Rücken in der Hoffnung so dem Herrn näher zu sein.

Für meine Frau Ava und meine Kinder war das Leben allein nicht immer einfach. Mein Sohn hatte schon das Eintrittsalter eines Knappen überschritten und ich war nicht zugegen um ihn in eine entsprechende Familie zu geben. So entschied mein Weib für mich und gab ihn einen in die Heimat reisenden Mönch mit, der nach Worms an den Rhein zog. Der Mönch litt einige Wochen unter Fieberanfällen und mein Weib pflegte ihn bis zu seiner Genesung.

Als Dank bot er ihr an, sich des Knaben anzunehmen und ihm Zugang zu seiner Brudergemeinschaft zu ermöglichen. Der Mönch war alt und ein  Mitglied der Gemeinschaft des Kloster Laurisham im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Er bot seine Hilfe nicht uneigennützig an, denn der Weg ist weit und beschwerlich.

Kurzerhand gab man ihm den blonden Knaben mit, denn eigentlich hatte er als Reisebegleiter ausgedient und zu dieser Zeit hielten viele Novizen ins Kloster Einzug, deren Namen bekannter waren und die Bevorzugung erlangten auch in Form von klingender Münze.

Es sind vier Jahre vergangen seit unser Sohn in den Knappendienst des Mathias von Winenheim eingetreten ist. Bernd_von_Birkenau

Als ich nach 5 Jahren aus dem Heiligen Land zurückkam, diente mein Sohn schon zwei Jahre in Winenheim. Ich machte meinem Weib schwere Vorwürfe für ihren eigenmächtigen Schritt aber die wenigen Zeilen, die mein Sohn aus der Ferne nach Hause gesandt hatte, überzeugten mich davon, dass es die richtige Entscheidung war.

Als dann im Frühjahr des letzten Jahres ein Bote mit einer Einladung seines Dienstherren kam, seiner Schwertleite beizuwohnen, erfüllte es mich mit außerordentlichem Stolz.

Die Stellung am Hofe meines Oheims war seit der Rückkehr aus dem Heiligen Land nicht mehr die selbe und so fiel es weder mir, noch meinem Weib und unserer Tochter, schwer die Reise an den Rhein anzutreten.

So kam es, dass wir uns in der Nähe von Winenheim, im Weiler Berkenowa, niederließen. Mein Weib hat die Stadt schon immer verabscheut und das Lärmen und Treiben in Winenheim ist ihr unerträglich.

In Berkenowa, welches ebenfalls unter dem Schutz des Kloster Laurisham steht, konnte ich den Mönchen beim Aufbau einiger Gebäude zur Hand gehen und meine Erfahrungen beim Palisadenbau wurde gerne angenommen. Da zur Zeit keine weiteren Baumaßnahmen geplant sind, und mein Weib die Küche der Mönche mit ihren doch eher exotischen Kochkünsten verändert hatte, und sie sich diese Erhalten wollen, ermöglichte man mir den Eintritt als Ministerialer zur Burgbesatzung.

Aber auch meine Waffenbrüder nehmen gerne die Küchenkünste meiner hohen Frau in Anspruch und sie freut sich über jede Gelegenheit die doch eher karge, einseitige Küche der Burg zu bereichern.

So sehe ich mein Weib nun ständig mit Schürze und Kopftuch gekleidet und mit Kellen und Löffeln bewaffnet, anstatt ihres Ranges gemäß züchtig an ihrem Stickrahmen sitzend oder Borten webend.

Trotzdem erhoffte sich  mein Weib,  dass der Junge sein Temperament zu zügeln lerne und in Demut ein guter Gottesdiener werden würde. Doch das Schicksal wollte es anders und die erste Berührung mit dem Kloster Laurisham verlief ganz anders. Es war einer der Dienstmannen zu Winenheim der im Kloster Lorsch Besorgungen tätigte und ebenso um Verstärkung für die Burg ersuchte.

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